Theaterbesuch Mannheim

12. Oktober 2026

“The world is out of joint…” – Hamlet mit positivem Störpotenzial

Unser Theaterbesuch am Nationaltheater Mannheim

Am 1. Oktober 2026 machten wir uns mit Schülerinnen und Schülern der Q-Phasen auf den Weg nach Mannheim, um William Shakespeares Hamlet zu erleben. Uns erwartete eine ebenso ungewöhnliche wie anregende Inszenierung unter der Regie von Nuran David Calis, die uns auf durchaus positive Weise verstörte.

Schon zu Beginn fiel uns auf, wie stark die Aufführung mit Gegensätzen arbeitete. So verbanden die Kostüme historische Anklänge mit modernen, teilweise erotisch anzüglichen Elementen. Auch sprachlich begegneten uns reizvolle Kontraste: Passagen aus der traditionellen Shakespeare-Übersetzung von Schlegel und Tieck wechselten sich mit zeitgenössischen Dialogen ab. Selbst mit geringen Vorkenntnissen konnten wir erkennen, wie hier ein klassisches Drama mit aktuellen Fragestellungen verknüpft wurde.

Besonders nachdenklich stimmte uns die kritische Auseinandersetzung mit der Vaterfigur. Gertrud, eindrucksvoll dargestellt von Maria Munkert, konfrontierte ihren Sohn Hamlet, gespielt von einer ebenso ausdrucksstarken Shirin Ali, mit der Möglichkeit, dass er seinen verstorbenen Vater idealisierte und dessen gewalttätige Vergangenheit verdrängte. Damit wurden wir angeregt, über familiäre Loyalität, Erinnerung und die unkritische Verehrung vermeintlicher Autoritäten nachzudenken.

Im Zentrum der Inszenierung stand für uns zudem die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung der jungen Generation und dem Spannungsverhältnis zwischen Denken und Handeln. Sind wir dazu verdammt, gesellschaftliche Entwicklungen lediglich zu beobachten? Sollen wir spontan und entschlossen eingreifen oder zunächst innehalten und reflektieren? Eine eindrucksvolle bildliche Entsprechung fanden diese Fragen in einer riesigen, Auguste Rodins Denker nachempfundenen Figur auf der Bühne, die von den Schauspielerinnen und Schauspielern immer wieder erklettert wurde.

Insgesamt empfanden wir die Aufführung als erfrischend, gedankenanregend und durchaus amüsant. Besonders beeindruckten uns die ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen des Mannheimer Ensembles. Dabei konnten wir auch auf Kenntnisse und Techniken zurückgreifen, die wir im Unterricht des Darstellenden Spiels bei Frau Gabriel kennengelernt und selbst praktisch erprobt hatten. So betrachteten wir das Bühnengeschehen auch mit einem geschärften Blick für schauspielerische Gestaltungsmöglichkeiten.

Wir erlebten einen ereignisreichen und lehrreichen Theaterabend, der uns zeigte, wie aktuell ein mehr als vierhundert Jahre altes Drama noch immer sein kann. Nach zwei sehr erlebnisreichen Besuchen (neben Hamlet auch Kabale und Liebe) möchten wir deshalb Aufführungen des Nationaltheaters Mannheim auch künftig “auf dem Schirm” behalten! 🙂

Bilder & Text von Frau Dr. Karina Schröder

© Staatliches Pfalz-Kolleg und -Abendgymnasium Speyer