Erasmus+-Seminar auf Malta im Oktober 2026 – Tiefe Einblicke in Projektmanagement, internationale Projektarbeit und die Erasmus+-Infrastruktur sowie Networking in alle Richtungen
Vom 25.10.2026 bis zum 30.10.2026 nahm ich (Karina Schröder) als Vertreterin des Pfalz-Kollegs am Seminar der ETT Academy Malta „Europaweit vernetzt: Interkulturelles Projektmanagement für europäische Schulprojekte“, geleitet von unseren erfahrenen Fortbildungsleitern Dzintra und Reinhardt Dreyer sowie Petra Wagner und Jane Schäffer, teil. Es handelt sich bei dieser Aktivität um unseren Erasmus+-„Auftakt“, der mit Mitteln unserer Erasmus-Kurzzeitmobilität kofinanziert wurde.
Obwohl das Seminar in deutscher Sprache abgehalten wurde, boten sich vielfältigste Möglichkeiten der Vernetzung mit ausländischen Schulen. Besonders interessant: das litauische Tauragis SMC, eine Schule für Erwachsenenbildung, die ähnliche Ziele wie wir verfolgt. Mit den drei Damen, die als Vertreterinnen dieser „Schwesterschule“ gekommen waren, kam ich aufgrund der exzellenten Deutschkenntnisse von Rimute leicht ins Gespräch. Zukünftiges Networking steht in Aussicht. 😊
Abgesehen davon eröffnete auch die Vielfalt der vertretenen deutschen Bildungseinrichtungen bereichernde Möglichkeiten der Horizonterweiterung und des Blicks über den begrenzten pädagogischen und didaktischen Tellerrand hinaus. Mit von der Partie waren etwa das Theresien-Gymnasium Ansbach, aber auch berufliche Schulen und Bildungszentren wie die Justus-von-Liebig-Schule Vechta (BBS Vechta), die Gewerbeschule Lübeck und die Henriette-Goldschmidt-Schule Leipzig sowie allgemeinbildende Schultypen wie die Bürgerschule Sonneberg in Thüringen.
Was haben wir gelernt?
Zunächst gab es viel Input zur Erasmus-Infrastruktur: Wie nutzt man die digitalen Plattformen? Wie trägt man Mobilitäten ein? Welche Berichte sind abzugeben? Wie formuliert man Berichte und Anträge optimal? Zudem lernten wir, wie Projekte inhaltlich und zeitlich geplant werden und wie sie zu dokumentieren sind. Viel Input, das erst einmal verdaut werden muss!
Daneben hielten die täglichen Workshops aber auch allgemeinere Konzepte hinsichtlich des Projektmanagements bereit: Wie zieht man ein Projekt auf? Wie setzt man sich „SMARTe“ Ziele? Wie stellt man ein Team zusammen, das unterschiedliche Kompetenzen in effektiver Weise vereint und damit eine optimale Projektbetreuung ermöglicht? Wie kommuniziert man? Wie adressiert man Probleme? Und: Wie feiert man seine Erfolge? 😊
Auch den Aspekt des kultursensiblen Agierens beim Knüpfen internationaler Kontakte und der Pflege solcher Partnerschaften nahmen wir zusammen unter die Lupe. Hier halfen uns insbesondere die kleinen Simulationen und Rollenspiele, durch die unsere Seminar-Coachin Jane Schäffer aus England uns Schwierigkeiten und Chancen der interkulturellen Kommunikation direkt erfahrbar machte. Etwa wenn beim Kartenspiel neue Mitspieler plötzlich alle Regeln über den Haufen werfen… Nicht weil sie bösartig wären, sondern weil man bei ihnen eben anders Karten spielt. Die Analogie war klar: Ähnliche situative Störgrößen können auch bei der Kooperation mit internationalen Partnern Sand ins Getriebe streuen und müssen gemeinsam bewältigt werden.
Natürlich stand auch die Erkundung Maltas als europäischer Kulturraum auf dem Programm. Wir konzentrierten uns dabei auf die kulturell interessanten Sites wie die Hauptstadt Valletta mit ihren beeindruckenden Festungen und Rabat mit seinen Saint Paul’s Catacombs (Il-Katakombi ta’ San Pawl), einem weit verzweigten Netz von unterirdischen Grabstätten, die als früheste Zeugnisse für die Verbreitung des Christentums auf der Insel gelten. Auf der zweitgrößten Insel des Malta-Archipels, Gozo, konnten wir auch die Naturschätze Maltas bewundern, darunter bizarre Felsformationen und die bekannte blaue Lagune.
In besonderer Erinnerung blieb uns unsere Foto-Rallye in Valletta. Hier untersuchten wir, wie die Erasmus-Prinzipien in Valletta beachtet und umgesetzt werden. Oder eben nicht… Mit elektrischen Bussen, Green-Malta-Initiativen und Protesten gegen Korruption, Gewalt und unsichere Arbeitsbedingungen auf Baustellen konnten wir in jedem Fall einige Beispiele für demokratische Teilhabe und Nachhaltigkeit entdecken. Malta sponsert seinen Bürgern nach Absolvieren eines Kurses auch „Chat GPT for all“ im Rahmen der Initiative Għal Kulħadd. Das ist ein gutes Beispiel für Medienbildung, aber eventuell kein großer Wurf hinsichtlich des Ziels der Nachhaltigkeit. Għal Kulħadd ist übrigens Maltesisch und bedeutet „für alle“. Und diese Sprache, ein beeindruckendes Hybrid aus maghrebinischem Arabisch und Italienisch, ist für sich genommen bereits ein schätzenswertes Kulturerbe ganz im Sinne der Erasmus-Werte Inklusion und Vielfalt.
Nach all diesen Erfahrungen ist es nicht einfach, Bilanz zu ziehen. Was bleibt sind aus meiner Sicht jedoch folgende wichtige Lektionen: die effiziente Handhabung der Erasmus+-Infrastruktur, die Ideen zum Projektmanagement im Allgemeinen und die Anleitungen und Simulationen zu internationalen Begegnungen. Eine wichtige Erkenntnis ist auch, wie diversifiziert die deutsche Schullandschaft ist und dass unsere verschiedenen Regionen ebenfalls unterschiedlich „ticken“, und zwar nicht nur, was die Bildungsinfrastruktur betrifft. Diese Diversität der Ansätze und Perspektiven war einfach bereichernd und inspirierend. Letztlich bleiben auch die persönlichen Kontakte und Geschichten in Erinnerung, so etwa Nataljas (Aitvaro-Gymnasium in Klaipėda, Litauen) Bericht zu einer durch eine Erasmus+-Mobilität angebahnten Eheschließung oder Maximilians (Bürgerschule Sonneberg) fundierte Schwedischkenntnisse (B2!) und Connections nach Skandinavien, die durch das universitäre Erasmus-Programm vertieft und entwickelt wurden und jetzt für seine Schule Wege in den europäischen Norden eröffnen. Und damit fügt sich unser Auftakt sehr gut in das Erasmus+-Motto ein: „Erasmus+ – Enriching lives, opening minds“.
Bilder & Text von Frau Dr. Karina Schröder
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