Besuch bei der Süddeutschen Zeitung in München

31. Juli 2014

 

Man hat die Macht des letzten Wortsvon Jean-Claude JenoweinSZ3

München Der Sozialkunde-Leistungskurs der Klassenstufe Q2 besuchte mit seinem Kursleiter, Herrn Schneider, innerhalb der Projektwoche 2014 die Süddeutsche Zeitung. Im Rahmen der Besichtigung nahm sich Prof. Dr. Heribert Prantl, Ressortleiter der Innenpolitik und Meinungsmacher Deutschlands, die Zeit, um mit uns zu sprechen.

Beim Betreten des Münchner Verlagsgebäudes wird den KollegiatenInnen Marie-Luise Pilz, Oliver Brückmann, Sascha Prantl, Max Burkhart und  Jean-Claude Jenowein  schnell klar, hierbei handelt es sich nicht um eine kleine Regionalzeitung, sondern um eines der führenden Medienhäuser Deutschlands. Die riesige Eingangshalle lässt sich mit der eines Großkonzern vergleichen.

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) gehört publizistisch zu den überregionalen Tageszeitungen Deutschlands mit elf unterschiedlichen Regionalausgaben. Sie erscheint sechs Tage die Woche und erreicht täglich etwa 1,4 Millionen Leser und Leserinnen. Unter ihnen befinden sich überwiegend Akademiker und Akademikerinnen, die Bürger und Bürgerinnen der Mittelschicht und EntscheidungsträgerInnen  aus Wirtschaft und Politik. Besonders die meinungsbildende Ausrichtung dieses Autorenblattes sollte hervorgehoben werden.

In der oberen Chefetage des Gebäudes angekommen, führt der direkte Weg in das Büro von Heribert Prantl, der Wirkungs- und Schaffensort seiner journalistischen Arbeit. Wie für einen Journalisten typisch,  stapeln sich Bücher in den Regalen, es liegen überall Fachzeitschriften herum. Er schreibt gerade an einem Leitartikel, der in der morgendlichen Ausgabe abgedruckt werden soll zum wiederaufflammenden Antisemitismus in Deutschland.

Bevor die Kollegiaten mit Prantl in die Diskussion einsteigen, reicht es noch für einen Plausch – schon nach kurzer Zeit ist das Eis der Anspannung gebrochen, die authentische Art und Gastfreundlichkeit des Meinungsmachers trägt erkennbar dazu bei, die wohl auch mit seiner Professionalität zusammenhängt.

Der weitreichende Panoramablick von seinem Schreibtisch aus – München zeigt sich an diesem Tag von seiner wohl schönsten Seite – fällt direkt ins Auge und wirkt sich sicherlich auch auf den täglichen Schaffensprozess seiner Leitartikel aus.

Das mit Vorfreude erwartete Gespräch beginnt mit dem Thema Frauenquote im öffentlichen Dienst. Im Vorfeld hatten sich die Kollegiaten ausreichend Zeit genommen, um sich vorzubereiten. Weitere Themen, wie der aufflammende Antisemitismus in Deutschland, sowie der wiederkehrende Rechtsruck in Europa, werden in den Diskurs gebracht. Des Weiteren erfahren wir, dass die Süddeutsche Zeitung erst nach Bekanntwerden der Snowden-Enthüllungen sogenannte Kryptoprogramme zur Verschlüsselung ihrer Kommunikation eingeführt hat.

Wie Prantl beschreibt,  hat die SZ erkannt, dass es von Vorteil ist, die Bereiche der Online- und Print-Redaktion anzunähern. Er lobt auch die generelle Entwicklung im Onlinebereich anderer Medienhäuser. Das Projekt „Krautreporter“ um den Medienjournalisten Stefan Niggemeier steht hierfür stellvertretend. Laut Prantl könnte man dabei eine Analogie zur aufflammenden Streitkultur der 1848 Revolution in Deutschland knüpfen.

Mehr als eine Stunde nimmt sich Prantl Zeit für die Fragen und beantwortet diese durchweg sehr leidenschaftlich und ausführlich, wie für einen Journalisten typisch ist seine Artikulation durchgehend druckreif. Beim Schreiben versucht er immer so pointiert wie möglich zu sein und eine gewisse Blanche ist ihm wichtig: „Es muss die Wurstverkäuferin auf dem Münchner Viktualienmarkt genauso gut verstehen können, wie der Universitätsprofessor, um an einer Debatte teilzunehmen“.

Besonders hervorzuheben ist allerdings die Frage: Was bewegen Sie mit Ihrer Arbeit? In erster Linie sei die Pressefreiheit für die Demokratie da. Beispielhaft steht sein Leitartikel, den er an diesem Tag veröffentlich hat. Aufgrund dessen meldeten sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der deutsche Judenrat zu Wort. Prantl fasst es mit: „Man hat die Macht des letzten Worts“ sehr treffend zusammen.

Beim anschließenden Rundgang durch die SZ-Redaktionen, kommt man mit dem redaktionellen Alltag kurzweilig sehr intensiv in Berührung und versteht die theoretisch erlernten Sachverhalte besser. Hier werden unter anderem Nachrichten und Informationen gefiltert und gesammelt, die für die Ausgabe am folgenden Tag relevant sind.

Als Andenken an die Zeit bei der SZ, schreibt er noch eine persönliche Widmung in sein erst kürzlich veröffentlichtes Buch „Glanz und Elend der Grundrechte: Zwölflf Sterne für das Grundgesetz“, das Teil einer Collage im Schulgebäude des Speyerer Pfalz-Kollegs werden soll.Mit den gewonnenen Erkenntnissen und den Eindrücken aus München treten die Kollegiaten ihre Heimreise an. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dieser Tag ihnen in Erinnerung bleiben, spätestens jetzt wissen sie, dass Zeitung lesen keineswegs obsolet ist, sondern wichtig ist, wie die Dinge zusammenwirken und wie man Öffentlichkeit schafft.

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